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Keine Experimente - Kommentar zur Zusammenlegung der Paul-Gerhardt-Schule und der Eichendorffschule am Standort der ehemaligen Kettelerschule

Im Austausch mit Andrea Schlinkmann, der Schulleiterin der Eichendorff-Schule

In der jetzigen Situation spreche ich mich klar gegen die Schließung und Verlegung der Eichendorffschule im Jahre 2021 aus. Und das nicht, weil ich die Idee von 3 Grundschulstandorten in Beckum grundsätzlich ablehne. Demografischer Wandel, moderne Raumkonzepte, garantierte Ganztagsbetreuung und Wirtschaftlichkeit sind sicherlich gewichtige Argumente im Rahmen der Planung und Weiterentwicklung von Beckums Grundschullandschaft. Nur sprechen diese Argumente aktuell einfach nicht für eine Schließung der Eichendorffschule!

Argumente überzeugen nämlich nicht allein dadurch, dass sie ganz vernünftig klingen. Argumente müssen auf Fakten basieren und sie müssen geeignet sein, die Vorteile einer Entscheidung anhand konkreter, positiver Auswirkungen in der Zukunft zu belegen.

Ein ganz wesentliches Argument für den Zusammenschluss der beiden Grundschulen war von Anfang an, dass 3 Grundschulstandorte wirtschaftlicher seien als 4. Außerdem sei der Aufwand zur Verbesserung eines kleinen Standortes vor dem Hintergrund des bereits bestehenden, sanierten und bedarfsgerechten Standortes der ehemaligen Kettelerschule nicht zu rechtfertigen.

Rückblickend muss man leider sagen, dass das wohl eine Einschätzung ins Blaue hinein war. Die ursprünglich veranschlagten Kosten für die Umgestaltung des Standortes der ehemaligen Kettelerschule haben sich schon jetzt massiv erhöht. Ein finales Konzept für den Umbau und eine abschließende Kostenabschätzung existieren bis heute nicht. Wie kann man da von einem sanierten und bedarfsgerechten Grundschulstandort sprechen? Und wie ist es überhaupt möglich, eine Entscheidung vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit zu treffen, ohne im Vorfeld die erforderlichen Kosten zu kennen?

Die Zusammenlegung der beiden Grundschulen mag in Zukunft ja durchaus sinnvoll sein. Aber wie wir grade sehen, handelt es sich dabei um ein Großprojekt. Ein solches Projekt bedarf einer gründlichen Prüfung, einer gewissenhaften Planung und einer effizienten sowie transparenten Umsetzung. Nur dann kann ein solches Projekt zu einem Erfolg werden und Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Schülerinnen und Schülern erfahren. Denn um die geht es hierbei ja.

An der Eichendorffschule wird hervorragende Arbeit geleistet. Sie ist bei den Schülerinnen und Schülern, den Eltern sowie den Lehrkräften überaus beliebt und darüber hinaus wichtig für das Viertel „Rote Erde“. Eine Schließung und Verlegung der Schule in der jetzigen Situation wäre falsch, unnötig und übereilt.

Mit dem Verkauf des Grundstückes der Paul-Gerhardt-Schule sowie der Verlegung der Schule an den Standort der ehemaligen Kettelerschule machen wir einen richtigen Schritt. Dieser Schritt ist zunächst aber auch ausreichend. Durch einen Verbleib der Eichendorffschule entfielen beträchtliche Investitionskosten am Standort der ehemaligen Kettelerschule, die bei einer Zusammenlegung beider Grundschulen zusätzlich erforderlich wären. Es würde also schon eine signifikante Verbesserung eintreten, wenn zunächst nur die Paul-Gerhardt-Schule umzöge.

Wir haben in Beckum eine funktionierende Grundschullandschaft mit 4 Standorten. Wieso sollten wir das für ein Projekt aufs Spiel setzen, das noch nicht fertig durchdacht ist? Aktuell gibt es dafür weder aus rechtlicher, noch aus politischer oder aus wirtschaftlicher Sicht einen zwingenden Grund.

Solange es kein fertiges und gut durchdachtes Konzept für die Zusammenlegung beider Grundschulen gibt, muss die Eichendorffschule erhalten bleiben. In Sachen Bildung, Erziehung und Grundschullandschaft ist nämlich kein Platz für Experimente.

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